Voulez-vous?

 

„Aber nein, ich spreche gar kein Französisch“, sagen Sie jetzt vielleicht. Oder denken mit leichtem Grausen an gallische Fiesigkeiten wie verbes irréguliers oder subjonctif. Dabei sprechen Sie mehr Französisch als Sie möglicherweise denken!

Unsere deutsche Sprache ist in vielen Bereichen durchsetzt von (d)englischen Begriffen, man kann ihnen kaum entgehen. Manch einer findet sie hip und nutzt sie in excess, manch einer verteufelt sie, fühlt sich geradezu überrollt von der Flut an Anglizismen, die da in unsere Sprache schwappt. Aber was ist eigentlich mit Wörtern unserer französischen Nachbarn, mit denen uns seit 1963 immerhin der deutsch-französische Freundschaftsvertrag verbindet? Was ist mit Gallizismen?

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Lost in (Machine) Translation?

 

Wer hätte nicht schon einmal davon geträumt, eine Sprache zu verstehen, ohne sie lernen zu müssen? Ohne sich durch endlose Vokabellisten, komplizierte Grammatikregeln mit tausend Ausnahmen zu quälen? Sogar in der Literatur begegnen wir diesem Menschheitstraum in Gestalt des Babelfischs („Per Anhalter durch die Galaxis“). Machine Translation oder maschinelle Übersetzung scheint diese Idee mittlerweile in greifbare Nähe zu rücken. Continue reading

Martin Luther – ein moderner Übersetzer?

 

2017 – das Lutherjahr: Luther hier und Luther da! Luther überall! Aber was hat nun dieser strebsame Studiosus, geistreiche Gelehrte und rebellische Reformator mit Sprache zu tun, oder gar mit Bier? Mit Sprache hat der Augustinermönch Luther tatsächlich sehr viel zu tun: Denn er war nicht nur Theologe, sondern auch ein sprachgewaltiger Übersetzer! Mit seiner Übersetzung der Bibel ins Deutsche, an der er von 1521 bis 1534 arbeitete, und damit auch den Grundstein für die Sprache legte, die wir heute als Hochdeutsch kennen, dürfte er die deutsche Sprache beeinflusst haben wie kaum ein anderer. Denn zur Zeit der Reformation gab es noch keine allgemeine deutsche Sprache, sondern Oberdeutsch (im Süden), Niederdeutsch (im Norden) und Mitteldeutsch (in der Mitte). Diese drei Ausprägungen des Deutschen wiesen so erhebliche Unterschiede auf, dass sie untereinander nur schwer verstanden wurden. So hieß z.B. ein Keramikermeister je nach der geographischen Lage seiner Werkstatt Hafner, Pötter oder Töpfer. In seiner Übersetzung der Bibel verwendete Luther, der ja in Mitteldeutschland beheimatet war, sprachliche Elemente aus allen Varianten des Deutschen, die damals gesprochen wurden, und schuf so erstmals ein Werk, das in ganz Deutschland gelesen und verstanden werden konnte. Die Erfindung der Druckerpresse kam da gerade recht. Der wortgewandte Kirchenmann verfasste darüber hinaus unzählige Schriftstücke und Predigttexte und reihte sich so unter die wichtigsten deutschen Autoren aller Zeiten ein – ein echter Beststeller-Autor! Continue reading

Tooooooooor!

 

 

Fußball-EM 2016: Europa sitzt vor der Glotze oder beim Public Viewing (wenn es gerade mal nicht regnet). So auch ich. Dabei fällt mir einmal mehr auf, dass der Fußball, wie auch andere Sportarten, für Übersetzer und Dolmetscher gewissermaßen ein ganzes Spielfeld voller einladender Fallgruben und Stolpersteine bietet. Wer sich da nicht auskennt, hat sich schnell verdribbelt und riskiert, vom Platz gestellt zu werden. Denn der Jargon wartet mit etlichen Fachwörtern und Metaphern auf, die sich nicht eins zu eins übersetzen lassen. Continue reading

Sprache und Getränke

Sprache und Getränke – das sind meine Themen. Aber wie passt das zusammen?

Sehr gut, finde ich! Denn beide haben viele Gemeinsamkeiten:

Selbst das Vokabular zur Beschreibung von Getränken und Texten ähnelt sich. Auf der negativen Seite lässt sich feststellen, dass sowohl Getränke als auch Texte geschmacklos, langweilig, fad oder ermüdend sein können. Beide können andererseits aber auch entspannend, anregend oder gehaltvoll sein und sogar Geist enthalten. Die wohl bemessene Menge eines geistigen Getränks vermag so manchen Kopf zu geistreichen Formulierungen zu beflügeln. Wobei hier zu beachten wäre, dass steigender geistiger Gehalt im Getränk eher zu geistiger Gehaltlosigkeit in der Sprache führt…

Getränke sind flüssig. Aber auch Sprache kann flüssig sein – fließende Worte, flüssige Sprache, ein sprudelnder Wortfluss gar! Wie schon Heraklit sagte: „Alles fließt!“

Beides lässt sich zum eigenen Wohle konsumieren. Denken Sie an ein kühles Bier im schattigen Biergarten an einem heißen Sommertag. Oder stellen Sie sich vor, Sie gönnen sich ein schönes Glas Wein auf Ihrer Terrasse. Sprache genieße ich am liebsten in Form eines guten Buchs. Wenn ich mich mit meinem Buch gemütlich niederlasse, sage ich oft: „Ich nehme noch ein paar Buchstaben zu mir“. Manchmal entfalten Sprache und Getränk auch zusammen ihr volles Genusspotential: Sich in ein fesselndes Buch vertiefen, dazu ein Gläschen vom Lieblingswein – ein wahrer Hochgenuss!

In diesem Sinne – willkommen in der S.IDE-Bar!