Die Gedächtnislosen

Ich möchte heute ein spannendes Geschichtsbuch vorstellen. Das mag für manche ein Widerspruch in sich sein, und – ehrlich gesagt – gehören Bücher über Geschichte normalerweise auch nicht zu meiner Lieblingslektüre. Aber dieses kluge Buch über Vergangenheitsbewältigung und Nachkriegspolitik, auf das mich eine Kollegin aufmerksam gemacht hat, macht wirklich Spaß!

Géraldine Schwarz, eine deutsch-französische Journalistin und Dokumentarfilmerin, Jahrgang 1974, entdeckt eines Tages in alten Familiendokumenten, dass ihr deutscher

Großvater 1938 im Zuge der Arisierung ein jüdisches Unternehmen übernommen und sich nach dem Krieg geweigert hat, dem überlebenden Vorbesitzer die geforderten Reparationszahlungen zu leisten. Weitere Nachforschungen der Autorin fördern zutage, dass ihr französischer Großvater dem Vichy-Regime als Gendarm diente. Die Großväter: ein Nazi-Mitläufer und ein „Collabo“?

Continue reading

Brauerehre – Mord im Sudhaus

 

Bier ist prickelnde Sache! Vor allem dann, wenn – wie in Andreas Schröfls Erstlingswerk „Brauerehre“ – in einer Münchner Brauerei kurz vor dem Oktoberfest ein Braumeister tot im Sudgefäss aufgefunden wird. Sollte er etwa im Weißbiersud ertrunken sein? Der Münchner Bierbrauer und Expolizist mit dem schönen Namen Sanktjohanser – genannt der „Sanktus“ – versucht, den Fall zu klären. Tatkräftige Unterstützung erhält er dabei von seinen ehemaligen Brauerkollegen und der Tochter des Brauereidirektors, auf die er schon lange ein Auge geworfen

hat. Seine Ermittlungen führen ihn kreuz und quer durch die Landeshauptstadt, auf das Oktoberfest und tief hinein in die vielleicht nicht ganz so heile Welt der Münchner Bierbrauer. Continue reading

In vino solutio

[ezdiv class=“col-md-4″]Bitterer Chianti

 

[/ezdiv]

[ezdiv class=“col-md-8″]

Trinken Sie gerne Wein? Und mögen Sie Krimis? Dann sollten Sie die Weinkrimis von Paul Grote lesen. Im Laufe von gut zehn Jahren hat Paul Grote elf Krimis über edle Tropfen geschrieben. Ob Chianti, Rioja, Portwein oder Riesling – in jedem Band entführt der Autor den Leser in ein anderes Weinbaugebiet. [/ezdiv] Continue reading

Sprache und Getränke

Sprache und Getränke – das sind meine Themen. Aber wie passt das zusammen?

Sehr gut, finde ich! Denn beide haben viele Gemeinsamkeiten:

Selbst das Vokabular zur Beschreibung von Getränken und Texten ähnelt sich. Auf der negativen Seite lässt sich feststellen, dass sowohl Getränke als auch Texte geschmacklos, langweilig, fad oder ermüdend sein können. Beide können andererseits aber auch entspannend, anregend oder gehaltvoll sein und sogar Geist enthalten. Die wohl bemessene Menge eines geistigen Getränks vermag so manchen Kopf zu geistreichen Formulierungen zu beflügeln. Wobei hier zu beachten wäre, dass steigender geistiger Gehalt im Getränk eher zu geistiger Gehaltlosigkeit in der Sprache führt…

Getränke sind flüssig. Aber auch Sprache kann flüssig sein – fließende Worte, flüssige Sprache, ein sprudelnder Wortfluss gar! Wie schon Heraklit sagte: „Alles fließt!“

Beides lässt sich zum eigenen Wohle konsumieren. Denken Sie an ein kühles Bier im schattigen Biergarten an einem heißen Sommertag. Oder stellen Sie sich vor, Sie gönnen sich ein schönes Glas Wein auf Ihrer Terrasse. Sprache genieße ich am liebsten in Form eines guten Buchs. Wenn ich mich mit meinem Buch gemütlich niederlasse, sage ich oft: „Ich nehme noch ein paar Buchstaben zu mir“. Manchmal entfalten Sprache und Getränk auch zusammen ihr volles Genusspotential: Sich in ein fesselndes Buch vertiefen, dazu ein Gläschen vom Lieblingswein – ein wahrer Hochgenuss!

In diesem Sinne – willkommen in der S.IDE-Bar!