Wer oder was ist Grisette?

 

Wer oder was ist Grisette? Vielleicht die Schwester von Grisu, dem kleinen Drachen, der so gerne Feuerwehrmann werden möchte? Oder hat der Kleine gar eine Freundin? Nein. Wobei – so abwegig wäre der Gedanke gar nicht mal! Denn auch Grisette kann gut löschen. Allerdings nicht Feuer, sondern Durst.

Grisette ist ein alter, beinahe in Vergessenheit geratener belgischer Bierstil, der erst seit Kurzem von Craft-Brewern wieder neu entdeckt und interpretiert wird. Das erfrischende Bier stammt aus dem französischsprachigen Süden Belgiens, der Wallonie, genauer gesagt aus dem Hennegau. Diese Provinz begann im 19. Jahrhundert, sich von einer reinen Agrarlandschaft zum Steinkohlerevier zu wandeln und läutete damit die industrielle Revolution auf dem europäischen Festland ein. Damals wurde dort mehr Steinkohle gefördert als in Frankreich und Deutschland zusammen! Zigtausende von Bergleuten fuhren jeden Tag ein – und kamen nach getaner Arbeit müde und durstig, mit staubiger Kehle wieder ans Tageslicht. Also begannen lokale Brauereien, ein Bier speziell für diese hart arbeitenden Männer zu brauen. So wie das „Saison“ das Bier der Landarbeiter war, wurde das „Grisette“ zum Bier der Kumpel. In der Blütezeit der belgischen Kohleindustrie soll es an die 30 Grisette-Sorten gegeben haben. Mit dem Niedergang der wallonischen Kohlegruben Mitte des 20. Jahrhunderts geriet auch das Grisette in Vergessenheit.

Der Name soll sich übrigens von den jungen, unverheirateten Frauen ableiten, die sich – für damalige Verhältnisse noch ungewöhnlich – ihren Lebensunterhalt selbst verdienten, als Wäscherinnen, Putzmacherinnen oder Fabrikarbeiterinnen. Da sie oft Kleider aus einem strapazierfähigen grauen Stoff namens „Grisette“ (frz. gris = grau) trugen, wurden sie ebenfalls Grisettes genannt. Und sicher kredenzten sie ihrem Liebsten nach getaner Arbeit unter Tage gerne ein kühles Bierchen. Der Name könnte aber auch von dem grauen Porphyrgestein der Gegend herrühren.

Aber was ist nun ein Grisette? Das Grisette aus alter Zeit war sicher ein wenig anders als das heute gebraute. In jedem Fall ist es aber ein strohgelbes bis goldfarbenes Ale, das mit hellem Gersten- und Weizenmalz gebraut wird. Ein erfrischend herbes Bier mit zitrusartiger und leicht grasiger Note. Die angenehm milde Hopfenbittere rundet das Geschmackserlebnis ab. Der Alkoholgehalt ist eher niedrig, schließlich sollte das Grisette ursprünglich den Durst hart arbeitender Männer löschen. Einige belgische Brauereien brauen heute wieder Grisette, und auch in Deutschland erfreut sich dieser fast vergessene Bierstil neuer Beliebtheit.

Deutsche Bierliebhaber hören das meist nicht so gerne: Aber auch bei unseren belgischen Nachbarn hat Bier eine lange Tradition. In Belgien gibt es eine Vielzahl unterschiedlichster und überaus spannender Bierstile!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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